|
Der anfänglich z-förmige Gebäudekomplex mit der heutigen Hausadresse Parkaue 29 wird 1911 nach den Entwürfen des Stadtbaurates Johannes Uhlig und des Architekten Wilhelm Grieme errichtet. Architektonisch an die Renaissance angelehnt, dient er als Höhere Knabenschule. Im Zuge der nationalsozialistischen Maßnahmen zur Instrumentalisierung von Bildung und Erziehung wird die Schule am 27. Januar 1934 in 'Joseph-Goebbels-Schule' umbenannt. Das Gebäude übersteht den Krieg nahezu unbeschädigt. Nach Reparaturen und Beginn des Schulbetriebs erlässt am 30. Juni 1948 die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) den Befehl 65. Dieser Befehl ist eine Anordnung zur Umwidmung des Schulgebäudes für kulturelle Zwecke. Nach Faschismus und Krieg soll Kindern und Jugendlichen neue Kulturinhalte vermittelt und Freizeitmöglichkeiten angeboten werden. Waldemar Alder, ein Bauhausschüler, und sein Partner Waldemar Heinrichs erarbeiten die Um- und Ausbaupläne, während die hochwertige Raumaustattung aus den Deutschen Werkstätten Hellerau stammt. Nach der Fertigstellung ist die ehemalige Schule das „Haus der Kultur der Sowjetunion, Filiale für Kinder".
Auf Grund des Befehls 65 werden die Räumlichkeiten für Instrumentalunterricht, Chorgesang, Volkstanz, Ballett, Schauspiel, Sprachen, Geschichte, Naturkunde, Fotografie, und Kunstgewerbe hergerichtet. Außerdem finden sich im Gebäude eine Miniatursternwarte, Werkstätten für Holz, Metall und Elektrotechnik, Ateliers für Malerei, Bildhauerei und Keramik, sowie eine Bibliothek, ein Lesesaal, ein Kino und ein Theater. Das Theater ist das „Theater der Freundschaft". Die geplante Eröffnungsinszenierung von „Du bist der Richtige" in der Regie des ersten Intendanten Hans Rodenberg muss auf Grund von Problemen bei der Materialbeschaffung im "Theater des Hauses der Sowjetischen Kultur" (ab 1952 dann „Maxim-Gorki-Theater") gespielt werden. Erst mit der 90. Aufführung wird am 16. November 1950 das „Theater der Freundschaft" eingeweiht. Ilse Weintraut-Rodenberg übernimmt 1959 für fast 15 Jahre die Intendanz des ersten reinen Kinder- und Jugendtheaters unter den Berliner Bühnen. Unter den Intendanten Klaus Urban und Dr. Siegfried Wein inszenieren viele namhafte Regisseure wie Horst Hawemann, Wolfgang Engel, Mirjana Erceg, Carl-Herrmann Risse und Konrad Zschiedrich an der Bühne.
1991 beruft der Senat Manuel Schöbel an das Haus. Der damals jüngste Intendant Deutschlands beginnt seine erste Spielzeit mit sieben Premieren in nur vier Tagen und die zweite mit einem neuen Namen für das Haus: „carrousel Theater an der Parkaue". Seit 1991 findet an der Parkaue, veranstaltet durch das Kinder- und Jugendtheaterzentrum der Bundesrepublik Deutschland, alle zwei Jahre das Deutsche Kinder- und Jugendtheater- Treffen „Augenblick mal!" statt.
2004 rufen die Pläne des Berliner Senats, die Zuschüsse für das Kinder- und Jugendtheater des Landes Berlin um die Hälfte zu kürzen, heftige Gegenwehr hervor. Nachdem Mitarbeiter, Zuschauer, Freunde und Förderer des Hauses unter dem Stichwort „Ganze Menschen brauchen ganzes Theater" ihrem Unmut Luft gemacht hatten, nimmt der Senat seine Pläne zurück.
Unter der neuen Leitung von Intendant Kay Wuschek, Oberspielleiter Sascha Bunge und der Leitenden Theaterpädagogin/Dramaturgin Karola Marsch soll der Standort PARKAUE zum Zentrum künstlerischer Vielfalt werden und trägt ab August 2005 den Namen THEATER AN DER PARKAUE.