Aktion Arbeitsscheu Reich 1938
13+

von Martin Clausen & Kollegen Uraufführung

In diesem Jahr jährt sich die "Aktion Arbeitsscheu Reich“ zum 80. Mal: Bei zwei Verhaftungswellen, zwischen dem 21. und 30. April und insbesondere zwischen dem 13. und 18. Juni 1938 wurden über 10000 als sogenannte „asozial“ verfolgte Menschen von der Geheimen Staatspolizei und der Kriminalpolizei verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Die Inszenierung "Aktion Arbeitsscheu Reich 1938“ nimmt die historische Aktion zum Anlass, danach zu fragen, wie die nationalsozialistische Verfolgung sogenannter „Asozialer“, „Arbeitsscheuer“ oder „Gemeinschaftsfremder“ in ihren historischen Schichten und Ideologien bis in unsere Leben heute verwoben sind.

Bereits mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden sogenannte „Asoziale“ und „Gemeinschaftsfremde“ verschärft verfolgt und in Arbeitshäuser eingewiesen. Das Arbeitshaus Rummelsburg war hierfür eine passende Vorlage, versprach es doch bereits seit dem 19. Jahrhundert eine Verbesserung des Menschen durch Erziehung zur Arbeit. Ist ein Mensch tätig, so sei er nützlich für die menschliche Gemeinschaft und erhielte seinen Platz darin. Die Nationalsozialisten spitzten diese Auslegung der Nützlichkeit von Menschen noch einmal um ein Vielfaches zu. Unter der Vorstellung eines „gesunden Volkskörpers“ und der Vererbbarkeit von Verhalten wurden sogenannte „Asoziale“ stigmatisiert, zum Arbeitsdienst gezwungen, Zwangssterilisierungen unterzogen.

In Zusammenarbeit mit dem Historiker Thomas Irmer untersuchten Martin Clausen & Kollegen und das THEATER AN DER PARKAUE Biografien der Marginalisierten und Stigmatisierten. Neben den historischen Fakten stehen vergangene und aktuelle Vorstellungen vom „Arbeitensollen“ und die Entstehung von Vorstellungen über „Normalität“ und „Abweichung“ im Blickfeld der Inszenierung.

Martin Clausen & Kollegen mit ihrem eigenwilligen Blick auf Sprache bilden in ihrer Zusammensetzung für die Inszenierung selbst eine performative Gruppe von Psychiatrie-, Obdachlosigkeit-, Langzeit-Hartz4-, Diktatur- und Ausgrenzungserfahrenen.

Wie entstehen heute Keime des Ausgrenzens und wie kämpfen wir zeitlebens gegen sie? Oder haben wir sie von anderen Generationen übernommen? Stecken unsere Körper noch voller Traumata vergangener Diktaturen und derer, die sie ermöglicht haben?


GEFÖRDERT VON DER STIFTUNG ERINNERUNG VERANTWORTUNG ZUKUNFT (EVZ)

Termine

  • KaufenReservierenMi, 7. November 201810.00 Uhr, Bühne 2 | Barrierefrei, Publikumsgespräch im Anschluß, Uraufführung
  • KaufenReservierenMi, 7. November 201818.00 Uhr, Bühne 2 | Barrierefrei, Publikumsgespräch im Anschluß, Uraufführung
  • KaufenReservierenDo, 8. November 201810.00 Uhr, Bühne 2 | Barrierefrei, Uraufführung

Downloads

Stückinformation