Blick:wechsel

Bei uns ist Einiges geschehen. Der langjährige Intendant Kay Wuschek hat das Haus aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Seit dem 5. September hat Florian Stiehler – geschäftsführender Direktor – die kommissarische Intendanz des THEATER AN DER PARKAUE übernommen. In der laufenden Spielzeit arbeitet er mit dem neuen Chefregisseur Thomas Fiedler und der Leitenden Dramaturgin und Theaterpädagogin Karola Marsch zusammen. Die Interimsspielzeit 2020/2021 gestalten Florian Stiehler und Thomas Fiedler gemeinsam mit Dorothea Lübbe (designierte Leiterin Vermittlung & Community) und Jutta Wangemann (designierte Leiterin der Dramaturgie) als künstlerisches Leitungsteam.

Die Parkaue hat ein neues künstlerisches Leitungsteam für die Spielzeit 2020/2021

Seit September 2019 leitet Florian Stiehler, geschäftsführender Direktor, das THEATER AN DER PARKAUE als kommissarischer Intendant. Gemeinsam mit ihm entwickeln wir – Thomas Fiedler (Chefregisseur), Dorothea Lübbe (designierte Leiterin Vermittlung und Community) und Jutta Wangemann (designierte Leiterin Dramaturgie) – die Interimsspielzeit 2020/2021 und sind schon jetzt in Abläufe des Hauses eingebunden.
Rund 90 Mitarbeiter*innen schaffen als Junges Staatstheater Berlin mit Künstler*innen, Partner*innen und Förder*innen künstlerische Erlebnis- und Erfahrungsräume für Kinder, Jugendliche und Menschen jeden Alters. Spezialist*innen mit ihren unterschiedlichen Fertigkeiten, Hintergründen und Überzeugungen arbeiten hier zusammen für ein Publikum, das so vielfältig ist wie die Stadt Berlin.
Wie wir als Gesellschaft miteinander umgehen, entscheidet darüber, ob wir den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sein werden. Abwertung, Benachteiligung und Einschüchterung sind Handlungen, denen wir im Alltag entgegentreten müssen. Im Theater entsteht Kunst aus der Begegnung. Das Theater, das uns begeistert, ist ein Ort, an dem jede*r die eigene Wahrnehmung an den Blicken anderer schärfen kann.
Seit den bekannten rassistischen Diskriminierungen hier am Haus und der vorzeitigen Vertragsbeendigung des langjährigen Intendanten befindet sich das THEATER AN DER PARKAUE in einem vielschichtigen und vielstimmigen Prozess des Umbruchs, des Fragenstellens und der Aufarbeitung. Als neue Mitarbeiter*innen steigen wir in diesen Prozess ein und haben ab jetzt daran teil.
Wir freuen uns darauf, Verantwortung zu übernehmen für einen solidarischen und machtkritischen Arbeitszusammenhang. Unsere Arbeit gilt dem mutigen und munteren Erproben von Perspektiven darauf, was Junges Theater für eine weltoffene und verantwortungsvolle Gesellschaft kann und in Zukunft können will.

Thomas Fiedler, Dorothea Lübbe, Jutta Wangemann
Berlin, 18.11.2019
Thomas Fiedler, Dorothea Lübbe, Jutta Wangemann, Florian Stiehler (Foto: Lars Nickel)

Wir machen weiter, aber nicht »weiter so«.

Wir befinden uns mitten in einem Prozess, der diskriminierende und Machtmissbrauch fördernde Strukturen unserer alltäglichen künstlerischen Arbeit bearbeitet. Wir verstehen diesen Prozess als Teil einer gesamtgesellschaftlichen Debatte, innerhalb derer wir im demokratischen Austausch miteinander unser eigenes Lernfeld schaffen.
»Mit der Übernahme der kommissarischen Intendanz habe ich die Möglichkeit mich noch stärker als in meiner bisherigen Position als geschäftsführender Direktor dafür einzusetzen, dass am THEATER AN DER PARKAUE angstfrei und respektvoll kommuniziert wird, wir für alle Formen von Diskriminierung sensibel sind und Diskriminierungserfahrungen ernst genommen werden.«

Florian Stiehler, Geschäftsführender Direktor & kommissarischer Intendant
Die vollständige Stellungnahme finden Sie hier.

Was wir dafür tun & getan haben:

  • Im Januar 2020 finden ganztägige Führungskräfteseminare für die Abteilungsleiter*innen des Hauses statt.

  • Gemeinsam mit Rechtsanwältin Sonja Laaser erarbeiten wir eine Anti-Diskriminierungsklausel nach dem Vorbild der Anti-Rassismus-Klausel, die ab dem 1. Januar 2020 juristische Grundlage des Miteinanders am THEATER AN DER PARKAUE werden soll.

  • Am 7. Oktober 2019 wurde die Themis Vertrauensstelle durch deren Justiziarin vorgestellt, um Betroffenen von Diskriminierung einen Weg der Auseinandersetzung außerhalb der üblichen Theaterstrukturen aufzuzeigen.

  • Durch verschiedene Formate versuchen wir, unsere Arbeitsstrukturen zu verbessern und unsere Kommunikation offener und durchlässiger zu gestalten. So findet mindestens einmal monatlich eine Vollversammlung statt. Es werden verstärkt abteilungsübergreifende Gesprächsformate initiiert. Und halbjährlich organisieren wir einen von externen Expert*innen moderierten Tag, an dem sich die Belegschaft über Themen, die sie beschäftigt, austauschen kann. An den bisher zweimal stattgefundenen Organisationsentwicklungstagen am 31.10.2018 und am 01.03.2019 wurden Themen wie Führungsverhalten, Machtstrukturen, Arbeitsbedingungen und Alltagsrassismus behandelt. Der nächste Termin ist der 05.12.2019.

  • In der Spielzeit 2018/2019 wurde mit der erweiterten Theaterleitung die zweitägige Fortbildung zum Thema »Der andere Blick – Diversität und Diskurs am Theater« durchgeführt. Es fanden gemeinsam mit dem Mobilen Beratungsteam Berlin - für Demokratieentwicklung (MBT Berlin) Sensibilisierungsworkshops für alle Mitarbeiter*innen zum Thema Alltagsrassismus statt. 

  • Kay Wuschek und Florian Stiehler nahmen an einer Fortbildung zum Thema »Vertrauensvolles Miteinander schaffen« vom Deutschen Bühnenverein teil.

  • Die Intendanz hat am 7. April 2019 an der Veranstaltung »Wem gehören Kunst und Kultur? – Wie kulturelle Teilhabe neue Welten öffnet« teilgenommen und sie mitgestaltet.

  • 2018 war Kay Wuschek Mitglied der Arbeitsgruppe des Deutschen Bühnenvereins, die den »Wertebasierten Verhaltenskodex zur Prävention von sexuellen Übergriffen und Machtmissbrauch« formuliert hat.

  • Im Frühjahr 2017 hat das Theater die Förderung durch das Programm »360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft« der Kulturstiftung des Bundes beantragt. Im Juni 2018 wurde die Arbeitsphase des Projekts mit Leah Bretz gestartet. Innerhalb des Prozesses hinterfragen wir mit der gesamten Belegschaft unsere Struktur, unsere Art der Zusammenarbeit sowie unsere Sozialisierung und individuelle Bemusterung mit rassistischen, sexistischen oder klassistischen Stereotypen.
    Seit April 2019 ist Sonja Baltruschat Agentin für Diversität und wird uns die nächsten drei Spielzeiten bis August 2022 begleiten. Durch dieses Programm haben Kulturinstitutionen die Möglichkeit, sich in den Bereichen Personal, Publikum und Programm so zu öffnen, dass die Diversität der Stadtgesellschaft besser in den Häusern repräsentiert wird. Seinen Schwerpunkt hat das THEATER AN DER PARKAUE auf Audience Development im Bezug auf ein diverseres Familienpublikum gelegt.

  • Das Theater hat im Frühjahr 2017 die Förderung durch »Diversity Arts Culture« beantragt. Die gemeinsame Arbeit hat im Juni 2018 begonnen und sollte ursprünglich bis Ende 2019 laufen. Die Zusammenarbeit wurde einvernehmlich ausgesetzt und soll zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden – auch mit dem Ziel, auf diese Weise notwendige Veränderungen einschätzen und bewerten zu können.

        Veröffentlichungen

        Die Parkaue ist seit einigen Monaten Teil einer intensiven Debatte. Ausgelöst durch eine rassistische Diskriminierung im April 2018 an unserem Haus weitete sich die Diskussion auf die Themen Machtmissbrauch, Arbeitsbedingungen und Fragen des Führungsstils aus. Wir stellen hier die öffentlichen Beiträge zu dieser Debatte zusammen.
        »“Ratschlag der Vielen": Kulturschaffende setzen sich für offene Gesellschaft ein«
        von Tobias Krone, in: Deutschlandfunk, 17.11.2019

        Stellungnahme zur Nominierung der Inszenierung »Rohe Herzen« zum Ikarus-Preis
        Theater an der Parkaue, 01.11.2019

        »Führungskrise an der Parkaue. Das ganze Theatersystem ist anfällig für Machtmissbrauch« 
        von Ulrich Seidler, in: Berliner Zeitung, 31.10.2019

        »Interiumslösung fürs Theater an der Parkaue Berlin - Mit eigener Anti-Diskriminierungsklausel«
        in: Nachtkritik, 19.09.2019

        »Florian Stiehler wird neuer Intendant an der Parkaue«
        in: rbb24, 19.09.2019

        »Theater an der Parkaue hat neuen Intendanten«
        von Luise Giggel, in: Berliner Woche, 28.09.2019

        Florian Stiehler ist kommissarischer Intendant am THEATER AN DER PARKAUE
        Pressemitteilung Theater an der Parkaue, 19.09.2019

        Stellungnahme zur kommissarischen Intendanz von Florian Stiehler
        Theater an der Parkaue, 19.09.2019

        »Parkaue Berlin: Aus für Intendant Kay Wuschek – Sofortiger Abgang«
        in Nachtkritik, 04.09.2019

        »Aus gesundheitlichen Gründen – Intendant der Parkaue tritt zurück«
        von Ulrich Seidler, in: Berliner Zeitung, 04.09.2019

        »Kay Wuschek verlässt das Theater an der Parkaue«
        in Tagesspiegel, 05.09.2019

        »Kultursenator Klaus Lederer und Intendant des Theaters an der Parkaue, Kay Wuschek, einigen sich auf Vertragsbeendigung«
        Pressemitteilung Senatsverwaltung für Kultur und Europa, 04.09.2019

        »“Koloniale Traditionen“? Kritik an deutschen Kulturhäusern«
        von Taylan Gökalp, in: dpa, 12.08.2019

        Citizen Kane: »Beendigung der Kooperation mit dem Theater an der Parkaue«
        Homepage Citizen Kane, 03.08.2019

        »Jugend hackt setzt Zeichen gegen Rassismus am Theater an der Parkaue – neue Location gesucht«
        Homepage Jugend hackt, 15.07.2019

        »Theater an der Parkaue reagiert auf Rassismusvorwurf mit Stellungnahme«
        von Berit Müller, in Berliner Woche, 13.07.2019

        »Rassismus am Parkaue-Theater: Zu zögerlich, zu unentschlossen«
        von Anna Klöpper, in: taz, 07.07.2019

        »Schauspielerin wirft Berliner Theater Rassismus vor«
        in B.Z., 06.07.2019

        »Theater an der Parkaue nimmt Stellung«
        in Tagesspiegel, 05.07.2019

        Stellungnahme zur aktuellen Berichterstattung
        Pressemitteilung Theater an der Parkaue, 05.07.2019

        Berlin Mondiale: »Beendigung der Kooperation mit dem Theater an der Parkaue«
        Homepage Berlin Mondiale, 04.07.2019

        »Rassismusfall im Theater an der Parkaue – Was hilft eine Antirassismusklausel?«
        Simone Dede Ayivi, in: Fazit, Deutschlandfunk Kultur, 02.07.2019

        »Von wegen divers«
        von Rüdiger Schäper, in: Tagesspiegel, 02.07.2019

        »Offener Brief an Senatsverwaltung für Kultur und Europa: Rassismus und Sexismus am Theater an der Parkaue in Berlin«
        Facebook-Page Initiative für Solidarität am Theater, 01.07.2019 und Mädchenmannschaft.net

        »Rassismus, schon wieder«
        in: Nachtkritik, 01.07.2019

        »Spiel und Ernsthaftigkeit am Theater«
        von Johanna Treblin und Ulrike Wagener, in: ND, 01.07.2019

        »Rassismus am Theater: Keine Bühne für Rassismus«
        von Katharina Schmidt, in: taz, 30.06.2019