Residenzprogramm

16. November - 16. Dezember 2020 | 15. März - 14. April 2021 | 19. April - 19. Mai 2021
Wir freuen uns die Künstler*innen Onur Ağbaba (1. Residenzeitraum 16.11.– 16.12.2020), Caroline Creutzburg & René Alejandro Huari Mateus (2. Residenzzeitraum 15.03.– 14.04.2021) und Maja Das Gupta (3. Residenzzeitraum 19.04.– 19.05.2021) hier bei uns am THEATER AN DER PARKAUE willkommen zu heißen.

Die Forschungsvorhaben

Onur Ağbaba
Residenz #1
Untersuchung neuer künstlerischer und narrativer Ansätze verschiedener Lebensrealitäten in Hinblick auf Kinder- und Jugendtheater
In seiner Forschungsresidenz sucht Onur Ağbaba nach neuen künstlerisch-narrativen Ansätzen, mit dem Fokus auf Ausschluss und Teilhabe am Theater und dessen Strukturen. Im inszenatorischen Umgang mit Mehrsprachigkeit, nicht eurozentristischer Narrative und verschiedener Lebensrealitäten können strukturelle Marginalisierungen diverser Communities ästhetisch und politisch reflektiert werden. Die Bühne als Ort der öffentlichen Verhandlungen gesellschaftlicher Diskurse ist dafür besonders geeignet, schöpft ihre Möglichkeiten seiner Ansicht nach bisher aber unvollständig aus. Die Auseinandersetzung mit den genannten Themen, bedeutet zugleich eine Auseinandersetzung mit Rassismus und postkolonialen Strukturen in Deutschland und in deutschen Theaterhäusern. Theater pflegen ihm zufolge weiterhin eine generelle Hierarchisierung weshalb die meisten Bühnen in Deutschland noch immer monolinguistisch und weiß sind. Dem möchte er mittels künstlerisch-narrativer Ansätze begegnen, um so auch andere soziale Realitäten mit einzubeziehen und strukturellem Rassismus an öffentlichen Institutionen entgegenzuwirken. Im Rahmen seiner Forschungsresidenz kann seine Auseinandersetzung die Form einer Installation oder auch einer Textarbeit annehmen.
von Onur Ağbaba | beteiligte Personen: Antigone Akgün und René Alejandro Huari Mateus
Caroline Creutzburg & René Alejandro Huari Mateus
Residenz #2
Post the Pain
Im Rahmen ihrer Residenz eröffnen die Regisseurin und Performerin Caroline Creutzburg und die Choreograph*innen und Performer*innen René Alejandro Huari Mateus einen Austausch- und Versuchsraum, in dem sie queere Jugendliche dazu einladen, sich in einer kollektiven Praxis künstlerisch-emanzipatorisch mit Smartphone-Videoproduktion und ‚Vlogging‘ auseinanderzusetzen. In einem ersten Schritt werden sich die beiden Künstler*innen von den Jugendlichen im Umgang mit z.B. Face-Filter, Stop-Motion, Verlinkungen innerhalb von Videos etc. schulen lassen. Eine Erarbeitung von Mini-Video-Tutorials soll diesen Prozess des Wissenstransfers dokumentieren. Als zweiten Schritt werden die Künstler*innen ihre Erfahrung mit Strategien der Darstellung und performativen Inszenierung mit den partizipierenden Jugendlichen teilen, um mit ihnen einen künstlerisch-analytischen und selbstbestimmten Zugriff auf User-generierten Content zu entwickeln.
»Wish you were gay« – Billie Eilish
Vlogging-Workshop
Wir, die Regisseurin und Performerin Caroline Creutzburg und die Choreograf*innen und Performer*innen René Alejandro Huari Mateus laden Menschen zwischen 14 und 18 Jahren, die sich als lesbisch, schwul, bisexuell, queer, nicht-binär oder trans* identifizieren oder sich der Community nahe fühlen, zu einem Workshop ein, in dem wir Smartphone-Videoproduktion und ›Vlogging‹ aus queerer Perspektive erkunden möchten.
Maja Das Gupta
Residenz #3
Noor und Papu - die Erzählung von indischen Frauen. Ein Battle.
Die Autorin Maja Das Gupta arbeitet in ihrer Residenz an einem Text weiter, der sich mit den Lebensgeschichten der beiden indischen Frauen Indrani Das Gupta, die in ihrer Familie Papu genannt wurde, und Noor Inayat Khan befasst. Der Anlass für diese Auseinandersetzung ist ein persönlicher: Maja Das Guptas Cousine Papu bat sie, sie nicht zu vergessen. Papus Leben, das tragisch endete, war gezeichnet von den Folgen einer brutalen Ehe. Mit Noor Inayat Khan stellt die Autorin diesem Leidensweg das Leben einer Widerstandskämpferin gegenüber, die den Tod in ihrem Kampf um Freiheit in Kauf nimmt. Im Zentrum der Erarbeitung des Textes steht der Umgang mit verschiedenen Formen von Recherchematerial sowie die Frage, wie wir uns ein Bild von einer Kultur, von einem Gegenüber machen. Das Bedürfnis nach Exotik oder immer gleichen Narrationen, das hierzulande mit Blick auf indische Frauen aufkommt, möchte Maja Das Gupta im Rahmen ihrer Arbeit befragen.
In der Spielzeit 2020/2021 schreibt das THEATER AN DER PARKAUE drei Forschungsresidenzen für Berliner Einzelkünstler*innen und Gruppen aus dem Bereich der Darstellenden Künste aus. Die Residenzen sind ein Instrument, um das Spektrum der am Haus arbeitenden Künstler*innen zu diversifizieren. Sie schaffen einen (Frei-)Raum, in dem innovative ästhetische Ansätze zu marginalisierten Themen und Fragestellungen für junges Theater entwickelt werden können, ohne dass die Künstler*innen unter dem Produktionsdruck des Repertoiretheaters stehen. Mit Blick auf die jüngere Geschichte des Hauses richtet sich die Ausschreibung speziell an Künstler*innen, deren Praxis die Wirkung rassistischer und sexistischer Strukturen verhandelt.
Im Rahmen ihrer Residenz bekommen alle Künstler*innen die Studiobühne für vier Wochen als Arbeitsort gestellt und haben die Möglichkeit auf Ressourcen des Hauses nach Absprache zurück zu greifen. Zudem wird jede Residenz von einer Mentorin begleitet.
Spielort: Studiobühne
Auswahl und Begleitung der drei Residenzvorhaben: Antigone Akgün (Dramaturgin und Performerin), Nathalie Anguezomo Mba Bikoro (Künstlerin und Dozentin) und Joana Tischkau (Choreografin und Performerin) | Residenzen: Onur Ağbaba (Residenz #1), Caroline Creutzburg & René Alejandro Huari Mateus (Residenz #2) und Maja Das Gupta (Residenz #3)


Das Residenzprogramm wird gefördert im Programm 360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft der Kulturstiftung des Bundes

Ausschreibung

Die Bewerbung für die Residenzen ist geschlossen. Vielen Dank für die zahlreichen Einreichungen.