Audiodeskription

Was muss passieren, damit eine Bühnenaufführung für blinde und sehbehinderte Menschen zum echten Theatererlebnis wird?

Mit seinem neuen Projekt zur Inklusion in der Kultur antwortet der gemeinnützige Kulturverein Förderband e.V. auf diese Herausforderung und initiiert die Einrichtung von Audiodeskription an fünf namhaften Berliner Spielstätten.
Im Verlauf von zwei Spielzeiten sollen 16 Werke der Bühnenkunst mit über 40 Aufführungen live für blinde und sehbehinderte Zuschauer*innen kommentiert werden. Feste Partner-Theater des Pilotprojekts sind das Berliner Ensemble, die Deutsche Oper Berlin, das Deutsche Theater Berlin sowie der Friedrichstadt-Palast. Und auch das THEATER AN DER PARKAUE freut sich sehr darüber Partner dieses Projekts zu sein. 

Mit dem Berliner Spielplan Audiodeskription wird das erste Mal Genre übergreifend und in nennenswertem Umfang eine gleichberechtigte Teilhabe an der Bühnenkultur der Hauptstadt für blinde und sehbehinderte Menschen möglich.
Mehr Informationen zum Projekt der Audiodeskription am THEATER AN DER PARKAUE, wie Stücke, Vorstellungen und Vorabinformationen, werden wir in Zukunft an dieser Stelle veröffentlichen.

Was ist Audiodeskription?
Audiodeskription, auch akustische Bildbeschreibung oder Audiokommentierung genannt, übersetzt visuelle Informationen in gesprochene Sprache und ermöglicht somit blinden und sehbehinderten Menschen visuelle Vorgänge besser wahrnehmen zu können.

Audiodeskription im Theater ist ein passgenau in das Gesamtgeschehen eingearbeiteter Kommentar, der blinden und sehbehinderten Zuschauer*innen die ausschließlich visuell wahrnehmbaren Elemente einer Aufführung präzise beschreibt. Visuelle Elemente sind Räume und Kostüme, aber auch körperliche, mimische und gestische Handlungen oder – wie im Musiktheater - Textpartien auf Displays. Audiodeskription beschreibt alle visuellen Elemente, die für das Verständnis der Bühnenhandlung wichtig sind und hilft damit blinden und sehbehinderten Zuschauer*innen, innere Bilder und ein eigenes Verständnis der Aufführung zu entwickeln.

Im Unterschied zu Film und Fernsehen ist die Audiodeskription im Theater ebenso live wie die Aufführungen selbst. Die Live-Audiodeskription erfolgt durch eine Person, die an einem schallisolierten Ort mit Bühnensicht sitzt und so vom Großteil des Publikums nicht bemerkt wird. Sie beobachtet die Bühne, um die Kommentare genau in die Sprech-, Handlungs- oder Musikpausen einzupassen. Dabei können die Kommentator*innen auf Veränderungen des Geschehens auf der Bühne ebenso eingehen wie – wenn nötig - auf Reaktionen des Publikums.

Blinde und sehbehinderte Zuschauer*innen verfolgen sowohl das hörbare Geschehen auf der Bühne als auch die per Funkverbindung und Kopfhörer übermittelten Kommentare der Sprecher*innen. Um live und gleichzeitig präzise beschreiben zu können, müssen die Kommentare gut vorbereitet sein, weshalb die Deskriptor*innen diese vorher erarbeiten und auch von sehbehinderten und blinden Redakteur*innen auf Verständlichkeit prüfen lassen.

Als Ergänzung zum Live-Kommentar wird vor den Aufführungen oft eine Tastführung angeboten, bei der die blinden und sehbehinderten Zuschauer*innen Bühnenbild, Kostüme und Requisiten ertasten können.