20.05.2025

Neue Spielzeit 2026/27


Sechs Premieren, darunter drei Uraufführungen, präsentiert das Theater an der Parkaue – Junges Staatstheater Berlin in der sechsten Spielzeit der Co-Intendanz von Christina Schulz und Alexander Riemenschneider

Seit fünf Jahren prägen Christina Schulz und Alexander Riemenschneider das künstlerische Profil des Berliner Jungen Staatstheaters. Mit der Spielzeit 2026/27 beginnt ihre sechste Saison am Haus.

In einer Zeit gesellschaftlicher und kulturpolitischer Veränderungen setzt die Parkaue ihren Weg als offenes Theater der Stadtgesellschaft fort: als dritter Ort für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, als Raum für künstlerische Begegnung und Mitgestaltung und als Bühne für junge Perspektiven auf die Welt von heute.

Die neue Spielzeit verbindet Uraufführungen, bekannte Stoffe aus heutiger Perspektive, partizipative Projekte, Gastspiele und Kooperationen. Im Mittelpunkt stehen Geschichten von jungen Menschen, die ihre Wirklichkeit nicht einfach hinnehmen, sondern mit Fantasie, Widerspruch und Selbstbehauptung gestalten.

Saisonauftakt mit Uraufführungen von Rachel Rosen und Zehra Sönmez

Die neue Spielzeit 2026/27 eröffnet das Theater an der Parkaue im September mit der Uraufführung „Chaos der Gefühle“ (5+) von Rachel Rosen. In ihrem musikalischen Kinderstück, das sie im inklusiven ResidenzprogrammLove Lab“ geschrieben hat, will ein Fragezeichen verstehen, wie Liebe funktioniert. Regie führt der Performance-Musiker und Komponist Anton Berman, der mit Neugier und Humor vom Liebhaben und Geliebtwerden erzählt – und davon, den eigenen Gefühlen zu vertrauen, statt sich für andere zu verbiegen. Die Produktion entsteht für Bühne 3 und wird als Relaxed Performance konzipiert.

Mit ihrem Debüt 16GB: Tischtennisplattenpolitik (14+) hat die junge Autorin und Künstlerin Zehra Sönmez (*2002) eine wütende und empowernde Jugendgeschichte über postmigrantische Lebensrealitäten in Deutschland geschrieben. An der Tischtennisplatte im Viertel wird gefeiert und gestritten, erinnert und widersprochen. Genau hier drehen die Geschwister Andaç und Ceren einen Film über ihr Leben, ihre Familie und ihre Welt, um festzuhalten, was sonst oft übersehen wird. Für ihr Stück wurde Zehra Sönmez mit dem 1. Berliner Stückepreis für junges Publikum ausgezeichnet. Die Uraufführung ist im November auf Bühne 3. Es inszeniert Till Doğan Ertener, Regieabsolvent an der Theaterakademie Hamburg, der erstmals in Berlin arbeitet.

Familiengeschichten auf der großen Bühne

Auch 2026/27 entwickelt das Theater an der Parkaue mit Autor*innen klassische Stoffe und große Erzählungen für junges Publikum aus heutiger Perspektive weiter.

Als Auftragswerk schreibt der Dramatiker Philipp Löhle die Abenteuergeschichte Pinocchio (6+) neu: Ein Junge aus Holz, der nie stillsitzen kann und alles sofort will, trifft auf einen Mann, der plötzlich Vater ist und permanent an die Grenzen seiner Geduld kommt.
Gemeinsam müssen sie herausfinden, wie Kindsein und Elternsein eigentlich funktionieren. Im November bringt Co-Intendant Alexander Riemenschneider die Uraufführung als musikalische Familienproduktion auf Bühne 1.

Die dänische Regisseurin Tamara Sonja Aijamathiessen arbeitet erstmals am Haus und inszeniert im März 2027 auf der Bühne 1 Erich Kästners Das doppelte Lottchen“ (8+) als Familienproduktion mit viel Energie und poppigem Humor. Als Luise und Lotte zufällig aufeinandertreffen und merken, dass sie Zwillinge sind, tauschen sie kurzerhand die Rollen und stellen das Leben ihrer getrennten Eltern auf den Kopf – eine empowernde Geschichte von Kindern, die ihr Recht einfordern, das eigene Familienleben mitzubestimmen.

Eigene Welten erfinden: interaktiv und gegenwärtig

Im mehrfach ausgezeichneten Kinderroman Irgendwo ist immer Süden“ (11+) der norwegischen Autorin Marianne Kaurin geht es um Schulalltag, Klassismus und Zugehörigkeit in Zeiten von Social Media. Nach einer Notlüge über ihre angeblichen Ferienpläne erfindet Ina gemeinsam mit ihrem neuen Mitschüler Vilmer ihr eigenes Urlaubsparadies. Zwischen Klassenchat und Fake-Fotos zeigt die Inszenierung, wie Freundschaft den Alltag verändern kann. Regie führt Milena Mönch, die erstmals an der Parkaue arbeitet. Premiere ist im April 2027 auf Bühne 2.

Auch Kita-Gruppen und Familien mit jüngeren Kindern können sich auf eine Premiere freuen: In der Stückentwicklung Quatsch mit Soße“ (3+) stellen die Choreografin Magda Korsinsky und das Ensemble gemeinsam mit dem Publikum eine Küche auf den Kopf. Hier wird gestapelt und gerührt, gereimt und gesungen. Nach der partizipativen Produktion „Macht Pause“ arbeitet Magda Korsinsky damit erneut am Haus. Die interaktive Produktion entsteht für Bühne 3 und wird als Relaxed Performance konzipiert. Premiere ist im Mai 2027.

Berliner Stückepreis für junges Publikum

Zeitgenössische Texte für Kinder und Jugendliche stehen im Zentrum des Berliner Stückepreises für junges Publikum, den das Theater an der Parkaue 2026 bereits zum zweiten Mal im Auftrag des Landes Berlin auslobt. Gesucht werden Theaterstücke, die neue Perspektiven auf junge, diverse Lebensrealitäten eröffnen.

Im November findet die Preisverleihung statt – mit szenischen Lesungen in Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Diskursformaten und Begegnungen zwischen Autor*innen, Publikum und Theaterpraxis. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und mit einer Uraufführung in der Spielzeit 2027/28 verbunden. Zur diesjährigen Nominierungsjury gehören die Autorinnen Antigone Akgün und Lena Gorelik sowie die Lektorin Henrieke Beuthner.

Neue künstlerische Perspektiven: Gastspiele und Reihen

Gastspiele und neue Reihen eröffnen auch 2026/27 zusätzliche künstlerische Perspektiven und Formate. Wem gehört die Bühne? – Dieser Frage geht das interaktive Tanzstück „Ich kann’s nicht lassen“ (7+) nach, das die Choreografin Janne Gregor für das Junge Tanzhaus Berlin entwickelt hat. Vier Krump-Tänzer*innen holen das Publikum ins Scheinwerferlicht und machen Choreografie zu einem gemeinsamen Prozess. Im Dezember ist das Gastspiel auf Bühne 2 zu erleben.

Im Gastspiel LOVE WORK MACHINE“ (13+) kommt es im November auf der Bühne 3 zum Blind Date mit der KI: Das interaktive Spiel von Lajos Talamonti und Georg Werner führt Schüler*innen in die Welt digitaler Arbeit und KI-Systeme und fragt, wie KI schon heute Schule, Ausbildung und Beruf verändert.

Bereits im September startet mit Queer Vibes“ (14+) eine neue Reihe: Zwischen Autor*innen-Gesprächen, Musik und offener Lesebühne entsteht ein Abend über Queerness und Literatur. Gastgeber*innen sind der Musiker und Autor Henri Maximilian Jakobs und die Poetry-Slammerin und Podcasterin Lena Krebs. Eingeladen sind u.a. Hengameh Yaghoobifarah, Ozan Zakariya Keskinkılıç, Gialu und Gazelle.

Theater als dritter Ort: Vernetzung und Kooperationen

Auch 2026/27 arbeitet das Theater an der Parkaue mit Festivals und Partnerinstitutionen aus Literatur, Tanz und Performing Arts zusammen. Gemeinsam mit dem Jungen Programm des Internationalen Literaturfestivals Berlin entstehen erneut Lesungen und Workshops für Schulklassen. Fortgesetzt werden außerdem die Zusammenarbeit mit NO LIMITS – Deutschlands größtem Festival für Disability und Performing Arts, mit dem PURPLE – Tanzfestival für junges Publikum sowie mit AUGENBLICK MAL!, dem bundesweiten Theatertreffen für junges Publikum. Gemeinsam mit der Berliner Konzertagentur Milchsalon öffnet sich das Haus außerdem verstärkt als Konzertort für junges Publikum.

Als dritter Ort der Stadtgesellschaft setzt das Theater zugleich auf langfristige Vernetzung mit Bildungs-, Kultur- und Sozialpartner*innen in Berlin. Mit der Konferenz „Verbinden statt Spalten“, die in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung entsteht, schafft die Parkaue Räume für Dialog über gesellschaftliche Konflikte und demokratische Kultur – an den Schnittstellen von Schule, Kultureller Bildung und Kunst.

Gemeinsam mit Familienzentren, Jugendzentren und Partner*innen aus dem Bezirk entstehen Workshops, Theaterbesuche und Outreach-Projekte für junge Menschen und Familien mit erschwertem Zugang zu kulturellen Angeboten. Kooperationen mit Akteur*innen wie das sozialkulturelle Zentrum blu:boks oder die Unterkunft AWO Refugium Lichtenberg stärken dabei die Verbindung zwischen Theater und Stadtraum.

Mitmachen und mitgestalten: junge Perspektiven

Mit Planet P schafft das Theater an der Parkaue Räume für junge Menschen, eigene künstlerische Ausdrucksformen zu entwickeln und das Theater aktiv mitzugestalten – in Clubs, Workshops, Outreach-Projekten und Ferienwerkstätten. Auch in der Spielzeit 2026/27 starten wieder verschiedene Spielclubs, darunter der inklusive „Club P“ für junge Menschen mit und ohne Behinderungen sowie der Performance-Club für mehrsprachig aufwachsende Kinder und Jugendliche. Den Abschluss der Spielzeit bildet das „Gen P Festival“, kuratiert vom Kinder- und Jugendbeirat „Teens Full of Ideas“.

Weiter ausgebaut wird außerdem die Kooperation mit „TUKI – Theater und Kita“. Im Programm „TUKI Tandem“ verbindet sich das Haus über drei Jahre mit einer Berliner Kita und führt Kinder im Wechsel zwischen Theater-Sehen und Theater-Spielen an die Bühnenkunst heran. Fortgesetzt wird auch die TUSCH-Kooperation mit der Lichtenberger Gemeinschaftsschule Schule am Tierpark, die sich im Frühjahr 2027 mit einer eigenen Performance auf dem TUSCH-Festival im Podewil präsentiert.

Für Schulklassen der Mittel- und Oberstufe wird zudem die Workshop-Reihe „Erinnern und Empowernweiterentwickelt. Gemeinsam mit Bildungsreferent*innen setzen sich Jugendliche multiperspektivisch mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Konflikten auseinander. Mit dabei sind u.a. die Berliner Bildungsinitiative „Gesicht Zeigen!“ und das Gesprächsformat „Trialog“ über Israel und Palästina, das von Jouanna Hassoun und Shai Hoffmann initiiert wurde.

Theater der Stadtgesellschaft: Inklusion und Organisationsentwicklung

Die Öffnung des Theaters bleibt auch 2026/27 ein Schwerpunkt der Intendanz. Dazu gehören barrierearme Angebote wie Relaxed Performances und Vorstellungen mit Audiodeskription ebenso wie spendenfinanzierte Teilhabefonds, mit denen die Parkaue Barrieren beim Theaterbesuch abbauen und mehr Kindern und Jugendlichen kulturelle Teilhabe ermöglichen will. Darüber hinaus setzt das Theater weiter auf langfristige Prozesse der Organisationsentwicklung und diskriminierungssensibler Arbeit im Haus. Seit 2023 arbeitet die Parkaue dafür in einem partizipativen Organisationsentwicklungsprozess gemeinsam mit den Berater*innen Angelo Camufingo und Melanelle B. C. Hémêfa an diversitätsorientierten Strukturen, internen Prozessen und Kommunikation.

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