Szenenwechsel

Ein FSJ-Blog aus der Parkaue
Mein Name ist Maria und seit Anfang September bin ich als FSJlerin in der Kommunikationsabteilung tätig.
Im Rahmen des FSJ erstellt jede*r Freiwillige ein eigenes Projekt. Mein Projekt ist dieser Blog, in dem alle zwei Wochen ein Beitrag mit Einblicken in den FSJ-Alltag und hinter die Kulissen des Theaterbetriebs erscheint.

Perspektiven öffnen

Maximiliane Wienecke war 2 1/2 Jahre lang als Referentin für Diversität und Inklusion an der Parkaue tätig. Der Senat hat ihre Stelle im Rahmen der Diversitätsoffensive in landesgeförderten Kulturineinrichtungen bis Ende Dezember 2025 gefördert. In ihrer letzten Arbeitswoche habe ich sie zu einem Interview getroffen.
MARIA Was machst du hier am Theater und kannst du einmal deinen Bereich beschreiben?

MAXIMILIANE Ich bin die Referentin für die Diversität und Inklusion. Das ist eine
Querschnittsstelle, deshalb komme ich mit allen Abteilungen in Kontakt. Es geht
vordergründig darum, diversitätsorientierte und inklusive Strukturen im Haus zu schaffen.

MARIA In welche Bereiche gehst du und welche Aufgaben gibt es dort?

MAXIMILIANE Nehmen wir zum Beispiel die Kommunikationsabteilung, in der du arbeitest.
Wir haben intensiv an der Barrierefreiheits-Unterseite der Webseite gearbeitet und die Informationen so aufbereitet, dass sie möglichst klar und detailliert schon vor dem Besuch zugänglich sind.
Dann habe ich im Rahmen des diversitätsorientierten Organisationsentwicklungsprozesses eng mit der Intendanz zusammengearbeitet. Das ist ein Prozess für das ganze Theater, um Strukturen diversitätsorientierter aufzustellen. Ziel ist es, Zugänge für Personen zu schaffen, die bisher z. B. aufgrund von Behinderungen oder anderer Diskriminierungserfahrungen kaum am Haus arbeiten oder inszenieren konnten.
Aber ich habe auch mit der Dramaturgie Fragen der Repräsentation oder Themen, die interessant sein können, besprochen.
Ich habe bedarfsorientierte Fortbildungen organisiert, zum Beispiel für die Abteilung Maske zum Umgang mit Afrohaaren. Der Einlass nimmt regelmäßig an Workshops zum Thema Kommunikation und Umgang mit Personen mit Behinderungen teil.
Mit der Technik habe ich viele Überschneidungspunkte, wenn es z. B. um die Umsetzung von Relaxed Performances geht oder auch ganz pragmatisch, wo Rollstuhlfahrer*innen oder Menschen mit einer Sehbehinderung am besten sitzen im Saal.
Und sonst habe ich auch viel Netzwerkarbeit gemacht und da geschaut, was für Kooperationspartner*innen wären für uns interessant oder mit welchen Communities könnten wir zusammenarbeiten. Mit der Abteilung Künstlerische Vermittlung habe ich gemeinsam überlegt, welche Künstler*innen mit Behinderungen wir als Clubleitungen für unsere Spielclubs einladen könnten. Ich habe in meiner Querschnittsposition im Haus eigentlich alle Bereiche einmal durchquert.
Inklusiver Club P „Ich zähle bis drei“
MARIA Ja, aber das gefällt dir auch daran, oder?

MAXIMILIANE Ja, also ich finde, gerade das ist richtig schön. Dadurch, dass es so viele verschiedene Themen sind und so viele Projekte parallel laufen, ist es für mich perfekt.
Relaxed Performance „Tiere treffen Tiere“
MARIA Gerade hast du schon über deine Arbeit mit der Technik bei Relaxed Performances gesprochen. Ich möchte gerne einmal genauer in diesen Bereich gehen, weil ich das Konzept interessant finde. Was ist eine Relaxed Performance?

MAXIMILIANE Eine Relaxed Performance ist ein Format für Theaterstücke, in der Vorstellungen oder Aufführungen in einer entspannten Atmosphäre stattfinden. Das kommt ursprünglich aus der autistischen Community, da für Menschen im autistischen Spektrum Vorführungen im Rahmen, wie wir ihn kennen, häufig zu überfordernd und zu anstrengend sind.
MARIA Wie genau wird das bei uns am Theater umgesetzt?

MAXIMILIANE Die konventionellen Regeln des Theaters werden ausgehebelt. Man kann während der Vorstellung rein- und rausgehen, das Licht bleibt leicht gedimmt und es werden weniger Plätze verkauft, damit man sich frei den Platz aussuchen und bei Bedarf auch wechseln kann. Es gibt einen Ruheraum, in den man sich zurückziehen kann, wenn man während der Vorstellung reizüberflutet ist. Man kann aber wieder auch in den Saal zurück. So gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man eine Vorstellung entspannter gestalten kann, sodass sie für viele Personen zugänglich ist.

MARIA Warum ist es wichtig, dass wir als Haus solche Vorstellungen anbieten?

MAXIMILIANE Weil man dadurch einen weiteren Zugang schafft für Personen, die aufgrund chronischer Erkrankungen oder Behinderungen aus dem Theater ausgeschlossen sind. Relaxed Performances sind ein niedrigschwelliger Zugang dafür.
Relaxed Performance „leuchtend, klein, zitronensauer“
MARIA Warum ist es wichtig, dass Menschen mit Behinderung aktiv einbezogen werden sollen?

MAXIMILIANE Na, damit ihre Perspektiven vertreten sind. Das ist sehr wichtig, dass nicht ich darüber entscheide, was jetzt gut für andere Personen ist, sondern dass sie sich aktiv miteinbringen. Und es ist auch viel nachhaltiger, die Personen, die wir mit unserem Programm ansprechen möchten, sofort miteinzubinden. Für mich hat es den Mehrwert, dass ich direkt von Anfang an eine gute Arbeit habe, die ich nicht nachher noch umschmeißen muss.

MARIA Bevor ich mein FSJ hier an der Parkaue begonnen hatte, habe ich mich ehrlich gesagt nicht viel mit Diversität und Inklusion auseinandergesetzt, erst durch deine Arbeit und Gespräche mit dir wurde mir klar wie relevant dieses Thema in unserer Gesellschaft ist. Warum ist Inklusion- und Diversitätsarbeit gerade an Orten wie Theater oder anderen Kultureinrichtungen wichtig?

MAXIMILIANE Weil es, glaube ich, wichtig ist, unsere Realität abzubilden. Und unsere Realität ist nicht nur eine weiße, nicht behinderte Realität, sondern es ist einfach eine sehr vielfältige Realität. Und wenn ich möchte, dass diese Themen auf der Bühne stattfinden, dass die Personen zu uns kommen, muss ich erstmal Strukturen ändern.
MARIA Gibt es etwas, was für dich besonders wichtig ist? Was du noch gerne ansprechen
würdest?

MAXIMILIANE Ich wünsche mir, dass es weitergeht an der Parkaue, auch wenn ich nicht mehr da bin. Davon gehe ich aus. Und ich wünsche mir, dass die Politik sehen würde, dass solche Stellen wie meine essenziell sind und das nicht nur im Theater, sondern eigentlich überall. Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass es eine Person gibt, die zum einen als Ansprechperson fungiert, und die gleichzeitig die Person ist, die immer wieder darauf hinweist und den Finger in die Wunde legt, weil wir in dieser Hinsicht einfach noch nicht in der Realität angekommen sind, wo inklusive und diversifizierende Arbeitsstrategien als Querschnittsaufgabe angesehen wird und wirklich in den Köpfen verankert ist. Deshalb ist es mir wichtig, dass man sich dafür stark macht, damit diese Arbeit langfristig im Haus verankert bleibt.
Ich hoffe, euch hat dieser Einblick in die Diversität- und Inklusionsarbeit gefallen, denn ich finde, es ist ein wichtiger Bereich, mit dem wir uns alle auseinandersetzen sollten.
Wir sehen uns bald wieder!
Fotos: David Baltzer, Sinje Hasheider, Paula Reissig

Neues Kapitel: FSJ Kultur

Wer bin ich?

Mein Name ist Maria, ich bin 18 Jahre alt und seit Anfang September bin ich als FSJlerin in der Kommunikationsabteilung am Theater an der Parkaue tätig. Im Rahmen des FSJ erstellt jede*r Freiwillige ein eigenes Projekt. Mein Projekt ist dieser Blog, in dem ab heute alle zwei Wochen ein Beitrag mit Einblicken in den FSJ-Alltag und hinter die Kulissen des Theaterbetriebs erscheinen wird.

Wieso habe ich mich entschieden ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur zu machen?

Durch meine Liebe fürs Theater und zufälliges Internetsurfen kam ich auf das FSJ Kultur, das ein FSJ in vielen kulturellen Einrichtungen ermöglicht. Zu dem Zeitpunkt kannte ich das FSJ nur im Rahmen von sozialen Bereichen wie Schule oder Kita, deswegen war das FSJ Kultur eine Überraschung für mich.
Ich habe mich beworben und nach zwei Kennenlerngesprächen mit dem Team kam auch schon die Zusage, über die ich mich natürlich sehr gefreut habe. Denn das FSJ war die beste Entscheidung für meinen Weg nach dem Abitur!

Was ist Kommunikation und was sind meine Aufgaben?

Kommunikation ist vergleichbar mit Presse-/Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Sie vermittelt Inhalte gezielt über verschiedene Medien (z. B. Social Media, Plakate), um beim Publikum ein Interesse für den Theaterbesuch zu machen.

Meine Aufgaben lassen sich in drei Bereiche einteilen: Einmal die Online-Kommunikation, welche das Pflegen der Social-Media-Kanäle oder auch alles rund um das Thema Webseite abdeckt. Dann gibt es die Printmedien, dort reichen die Aufgaben von Flyer auffüllen bis Poster und Citylights (die großen Leuchtreklamen am Theatereingang) auswechseln. Der dritte Bereich ist die Pressearbeit und dort mache ich z. B. den Pressespiegel oder Rechercheaufgaben. Der Pressespiegel ist eine Sammlung von Artikeln und Beiträgen die die Parkaue erwähnen.

Hier wechsele ich ein Citylight

Was habe ich bisher gemacht?

Ich bin ungefähr ein Viertel durch mit meinem FSJ und es sind schon so viele spannende Dinge passiert. Von Premieren bis Seminarfahrt war alles dabei.
Foto: Sinje Hasheider
Mein erstes großes Event war das jährliche Fest zur Spielzeiteröffnung „Türen auf!“. Ich habe bei den Vorbereitungen mitgeholfen und vorab haben wir ein Reel als Werbung für Instagram gedreht. Ich fand es sehr lustig, weil ich das Haus selbst noch nicht richtig kannte und ständig nachfragen musste, wo wir gerade sind.

Im Herbst hatten wir auch zwei Premieren: „Regiert euch!“ und „ON AIR ON FIRE“.
Für „Regiert euch! “ habe ich bei den Hauptproben mitgeholfen. Und bei „ON AIR ON FIRE“ durfte ich auch zuvor eine Probe besuchen. Es ist spannend zu sehen, was in den verschiedenen Probenphasen passiert und wie viele Menschen daran beteiligt sind.

Eins meiner Highlights war auf jeden Fall die Ikarus-Preisverleihung 2025, die in unserem Haus stattfand. Denn die Parkaue hat auch einen Preis gewonnen und es war einfach großartig zu sehen, wie Leute, die ich regelmäßig im Haus sehe für ihre Arbeit einen Preis bekommen haben.

Neben meinem Arbeitsalltag gehören auch im Rahmen der Bildungstage Seminarfahrten zum FSJ. Auf allen Seminarfahrten werden wir von den PKs, auch Pädagogische Koordinierende genannt, und einem Co-Team begleitet. Die PKs sind neben Betreuer*innen auf Fahrten auch primär Ansprechpersonen für ungefähr 30 Freiwillige und deren Einsatzstellen.

Meine erste Fahrt hatte ich schon und die hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die ersten Tage haben wir uns in der Gruppe kennengelernt und dann drei Tage lang einen Workshop besucht. Meiner war zum Thema Podcast. Wir haben in Gruppen ein Podcast-Konzept erstellt und die erste Folge aufgenommen.

Eindrücke aus dem Seminar

Damit endet mein erster Beitrag. Ich hoffe, er hat euch gefallen.
Wir sehen uns in zwei Wochen wieder!