Berliner Stückepreis für junges Publikum

Neue Narrative für ein vielstimmiges Kinder- und Jugendtheater
Alle zwei Jahre wird im Theater an der Parkaue - Junges Staatstheater Berlin der Berliner Stückepreis für junges Publikum vergeben, der herausragende Kinder- und Jugendtheaterstücke auszeichnet. Der mit 10.000 Euro und einer Uraufführung am Theater an der Parkaue dotierte Preis wurde in der Spielzeit 2024/25 zum ersten Mal verliehen.
Mit dem Stückepreis soll gezielt Gegenwartsdramatik für junges Publikum gefördert werden, die nach neuen Narrativen sucht. Welche Geschichten werden bisher noch nicht auf den Bühnen der Kinder- und Jugendtheater erzählt? Welche Perspektiven einer jungen vielstimmigen Generation fehlen? Ausgehend von diesen Fragen werden Stücke gesucht, die sich mit Lebensrealitäten junger Menschen in einer diversen Stadtgesellschaft beschäftigen, die sich durch Multiperspektivität auszeichnen und die drängenden Fragen einer jungen Generation ernst nehmen.

Der „Berliner Stückepreis für junges Publikum“ ist ein Preis des Landes Berlin und wird im Auftrag der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt vom Theater an der Parkaue ausgelobt. Das Rahmenprogramm und die Preisverleihung wird gefördert von der Heinz und Heide Dürr Stiftung.

Programm 2026

Am 5. und 6. November steht das Theater an der Parkaue ganz im Zeichen des Berliner Stückepreises für junges Publikum. An den beiden Tagen werden die fünf nominierten Stücke in szenischen Lesungen vorgestellt – zunächst für Schulklassen, am zweiten Tag für die Fachöffentlichkeit und weitere Interessierte. Rund um die Lesungen gibt es Raum für Austausch und Begegnung. Den Abschluss bildet am 6. November die Preisverleihung.

5. November: Lesungen für Schüler*innen

Lesungen für Kinder
4. – 5. Klasse
Zur Veranstaltung

Lesungen für Jugendliche
8. – 13. Klasse
Zur Veranstaltung

6. November: Lesungen, Austausch und Preisverleihung

Szenische Lesungen
für Fachpublikum und Interessierte
Zur Veranstaltung

Preisverleihung
Zur Veranstaltung

Nominierte Autor*innen

Ruth Johanna Benrath

mit „Hey Ayla oder Die Reise nach Depr“ (10+)

Zum Stück

8 Uhr 10 und Lolo hat schon dreimal versucht, ihre Freundin Ayla anzurufen. Dann schickt sie noch eine Sprachnachricht hinterher: Hey Ayla. – Mit Ayla kann Lolo eigentlich über alles reden, aber wie soll sie ihr bloß erklären, was zuhause los ist, wenn sie es selbst kaum versteht? Fest steht, sie muss endlich über Mamas Zustand sprechen.

Und Michi, Lolos kleiner Bruder, geht währenddessen mit seinem Löwen Mitsubishi auf große Fahrt. Er will nach Depr, denn das stand auf dem abgerissenen Zettel, den er auf Papas Schreibtisch gefunden hat. Ob das wirklich ein Fluss in Russland ist? Zumindest ist klar, dass der Ort mit Mama zu tun hat.

Michi und Lolo haben schon länger mitbekommen, dass etwas nicht stimmt. Weil Mama immer nur schläft oder wegen schlechter Gedanken zur Kur muss, und dann dürfen sie nicht mal zu Besuch kommen. Und Papa fährt offenbar lieber alle möglichen Leute mit dem Taxi herum, als ihnen Mamas Krankheit zu erklären. Zum Glück gibt’s Ayla und ihre Fragen. So findet Lolo nach und nach Worte für die letzten Wochen. Als Ayla nachmittags vor Lolos Tür steht, ist alles schon ein bisschen leichter. Aber wo steckt Michi und wer tröstet ihn? Die beiden machen sich auf die Suche …

Sensible Inhalte

Zur Autorin

Ruth Johanna Benrath ist freie Autorin und wurde für ihr Schreiben bereits mehrfach ausgezeichnet. Nach den Romanen „Rosa Gott, wir loben dich“ und „Wimpern aus Gras“ schreibt sie vor allem Hörspiele und Stücke fürs Kinder- und Jugendtheater. 2021 erhielt sie für ihr Kinderstück „Im Wald (da sind)“ den Kaas-und-Kappes-Preis für Kinder- und Jugenddramatik. 2024 stellte sie das Stück in der Reihe „Schubladen auf!“ im Theater an der Parkaue vor. 2024 wurde sie zum Theaterfestival „Was für ein Drama“ und zu den Hörspieltagen der ARD eingeladen. Zuletzt wurde ihr Stück über die Königin Luise zum „Hörspiel des Monats Oktober 2026“ ausgezeichnet.

Das sagt die Jury

Wie erzählt man von Depression, wenn man für ein junges Publikum schreibt? Wie erzählt man von einer Krankheit, die sich oft gerade dadurch auszeichnet, dass sie schwer in Worte zu fassen ist, ohne sie zu erklären, zu vereinfachen oder zu stereotypisieren?

Ruth Johanna Benraths Stück findet darauf eine bemerkenswerte Antwort: Es erzählt nicht über Depression. Es erzählt davon, wie es sich anfühlen kann, wenn Depression in eine Familie einzieht und vor allem davon, was sie mit den Menschen macht, die mit ihr leben.

Im Mittelpunkt stehen Michi und seine große Schwester Lolo. Zwei Geschwister, die viel allein sind. Der Vater ist ständig unterwegs, die Mutter liegt im Bett oder ist zur Kur. Über ihre Krankheit wird kaum gesprochen. Und genau diese Sprachlosigkeit wird für die Kinder zu einer eigenen Realität. Sie spüren, dass etwas nicht stimmt, wissen aber nicht genau, was. Sie suchen nach Antworten und finden dabei ganz unterschiedliche Wege, mit dem Unbegreiflichen umzugehen.

Michi flüchtet sich in Tagträume, die ihn auf eine aberwitzige Reise führen. Lolo sucht Nähe und Antworten im Chat mit ihrer Klassenkameradin Ayla. Was dabei entsteht, ist keine plakative Geschichte über Depression, sondern ein vielstimmiges, sprachgewaltiges, schmerzhaftes Porträt einer Kindheit, die sich plötzlich mit Dingen auseinandersetzen muss, für die ihr eigentlich die Worte fehlen.

Darin gerade liegt die große Stärke dieses Textes: Er traut seinem jungen Publikum etwas zu. Er erklärt nicht alles. Er liefert keine einfachen Antworten. Stattdessen öffnet er Gedankenwelten.

Fabienne Dür

Mit „Schnee von morgen“ (8+)

Zum Stück

Jeden Tag suchen Leo und Mo den Himmel mit dem Fernglas ab, denn wenn es schneit, kommt endlich Mama. Das hoffen sie zumindest. Aber Mama ist weit weg, seit die Eltern sich getrennt haben und die Schwestern mit Papa in eine andere Stadt gezogen sind. Jetzt muss Papa immerzu arbeiten, und Mama, die immer wusste, wann es zu schneien beginnt, ist nicht da.

Da sieht Mo plötzlich aus dem Fenster ein Glitzern zwischen den Bäumen. Vielleicht eine Glitzerkrake? Oder ein Fischmensch? Sie überredet Leo, mit nach draußen zu kommen. Doch im Park treffen sie auf das Nachbarsmädchen Fee mit den blinkenden Kronkorken am Mantel. Kein guter Umgang, befürchtet Leo. In der Schule heißt es, sie sammelt Pfandflaschen für ihre Mutter und ist immer allein. Aber Fee ist es ganz egal, was andere denken. Sie räumt lieber den Park auf. Zu dritt stoßen sie dabei auf die coolsten Sachen: Fee findet in Mo und Leo die Geschwister, die sie sich gewünscht hat. Und Mo und Leo begreifen durch Fee, dass man die Dinge manchmal selbst in die Hand nehmen kann, anstatt nur zu warten.

Zur Autorin

Fabienne Dür ist Autorin und Theatermacherin. Sie studierte Theaterwissenschaft, Deutsche Philologie und Szenisches Schreiben in Berlin. Ihr Debütstück „Gelbes Gold“ wurde am Staatstheater Kassel uraufgeführt und 2025 mit den Nachspielpreis des Heidelberger Stückemarkts ausgezeichnet. Ihr erstes Kinderstück „Luft nach oben oder Game over“ erhielt 2023 den Preis der Jugendjury bei den Mülheimer Theatertagen. Für ihr zuletzt erschienenes Kinderstück „Löwenschwester“ wurde sie 2025 mit dem Retzhofer Dramapreis ausgezeichnet.

Das sagt die Jury

Was macht man, wenn die Welt plötzlich kleiner geworden ist? Mo und Leo finden für sich die Antwort: Man schaut aus dem Fenster. Man langweilt sich. Man wartet. Und man beobachtet die Wolken – in der Hoffnung, dass irgendwo darin etwas auftaucht, das die eigene Welt wieder ein bisschen größer macht.

Dieser Theatertext erzählt von einem Umzug, von Trennung und Verlust, von der Sehnsucht nach dem Vertrauten. Aber vor allem erzählt er davon, was Fantasie vermag, wenn die Wirklichkeit zu eng wird. Aus Langeweile wird Neugier, aus einem Glitzern zwischen den Bäumen ein Meerestier, aus dem Meerestier eine Fee – und plötzlich beginnt ein Abenteuer genau dort, wo eben noch nichts zu passieren schien.

Besonders bezaubernd ist dabei die lyrische Sprache, die dieses Stück durchzieht. Sie beschreibt die Welt nicht einfach, sie verwandelt sie. Dinge bekommen eine eigene Poesie, Beobachtungen werden zu Bildern und zwischen Alltäglichem und Fantastischem verschwimmen die Grenzen. Dabei ist die Fantasie nie bloße Flucht. Sie wird zu einer Kraft, mit der Mo und Leo ihre veränderte Welt neu betrachten können. Der Autorin Fabienne Dür gelingt es zu zeigen, wie viel im scheinbar Unspektakulären verborgen liegt: wenn man nur genau genug hinsieht.

Nick Hartnagel

mit „Häuten“ (14+)

Zum Stück

Abiball, der Tag der großen Erwartungen. Für einige werden die Karten neu gemischt, andere haben noch alte Rechnungen offen. Alle Blicke liegen auf ihr. Sie und Feli – das ist das Paar, das die KI ausspuckt, wenn man das Klassenfoto zeigt. Dass sie aber entschieden hat, mit Steven zu tanzen, klingt für viele wie ein schlechter Witz. Doch Feli und sein Kumpel Grille haben einen Plan.

Aula, Ort des Geschehens. Am Mikrofon steht Samia mit bronzener Stimme und einem Lied, das alles wegblasen soll. Grille darf den Crémant öffnen, hoffentlich fotografiert das jemand. Steven, mit Deo auf dem Hemd verteilt, zählt noch die Tanzschritte, linker Fuß nach rechts, ein zwei drei. Stuber, die Lehrerin, verzeichnet unterdessen auffällige Besuche der Waschräume. Wer konsumiert dort Substanzen? Und Nisha kann es kaum erwarten, diese asbestverseuchten Wände für immer zu verlassen.

Dann einundzwanziguhrfünfundzwanzig. Der Tanz, sie und Steven. Der ganze Saal hält den Atem an. Feli wirft ihr diesen funkelnden Blick zu. Und dann läuft das Blut aus ihrer Nase und sie steht einfach da.

Beginnt ab heute wirklich eine neue Zeit? Eidechsen streifen ihre Haut einfach ab, heißt es. Herzlichen Glückwunsch zum Abi, Leute.

Sensible Inhalte:

Zum Autor

Nick Hartnagel, geboren 1987 in Stuttgart, studierte Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch und arbeitet als freier Regisseur an verschiedenen Stadt- und Staatstheatern. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit stellt die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Dramatik dar und seine Inszenierungen waren mehrfach zum Heidelberger Stückemarkt und zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Seit der Spielzeit 2026/27 ist er als Hausregisseur Teil der neuen künstlerischen Leitung am Theater Baden-Baden. „Häuten“ ist sein erstes Theaterstück.

Das sagt die Jury

Das Jugendtheaterstück „Häuten“ von Nick Hartnagel spielt an einem Abend, spielt an einem Ort und spielt zugleich irgendwie in uns allen. Es erzählt von einer Schulklasse, es erzählt von Machtstrukturen und -spielen, es erzählt davon, wie verletzlich sie einen machen. Es erzählt auch von dem dringenden Wunsch, dazuzugehören, stellt die wichtige Frage, wer man ist, und wie sie sich von der anderen wichtigen Frage unterscheidet: Wer man sein möchte. Es versammelt ganz unaufgeregt viele Figuren, verflechtet sie miteinander und gibt ihnen gleichzeitig eigenen Raum. Dabei spielt Nick Hartnagel gekonnt mit der Frage, wer was sagt, und wer was sieht – und sieht, erkennt dabei seine Figuren, ohne sie jemals bloßzustellen.

Levi R. Kuhr

Mit „Über die morbide Romantik im programmierten Zelltod“ (AT) (14+)

Zum Stück

Es gibt Zustände, die sich nicht erklären lassen. So ist Liebe. Und Tod.

Mickey und Charly sind Freunde, verbunden durch Dark Souls, geteilte Schulbücher und Automatenkaffee. In diesem Schuljahr sitzen sie in provisorischen Containern auf dem Sportplatz, die Klimakrisen-Sonne brennt unerbittlich. Es ist der Sommer, in dem Alex zurück in die Stadt kommt, Mickeys Freund aus der Grundschule.

Alex ist inzwischen doppelt so breit wie früher, selbstbewusst, die Haare kurz. Mickey findet ihn cool, Charly oberpeinlich. Trotzdem haben Charly und Alex anfangs einen Draht. Aber Alex bringt seine Themen mit: Sport, die Bewunderung für seinen großen Bruder, Frauen. Und Mickey versucht mitzuhalten, ein Mann zu sein und keine Seegurke, wie Alex ihn nennt. Dann kommt die Party bei Alex’ Bruder. Mickey hatte es nicht genau mitbekommen: War es ein Versehen oder hat Alex Charly ins Gesicht geschlagen? Später verliebt sich Charly ausgerechnet in Jen, die Freundin von Alex’ Bruder, die sich manchmal wünscht, Tradwife zu werden. Als Charly einen Bluterguss an Jens Arm entdeckt, weiß sie, Mickey und Alex müssen endlich aufwachen.

Sensible Inhalte:

Zum Autor

Levi Roderich Kuhr, geboren 1997 in Salzburg, studierte Schauspiel am Mozarteum in Salzburg und war anschließend am Landestheater Schwaben engagiert. Seit der Spielzeit 2024/25 ist er am Jungen Landestheater Linz beschäftigt. Bereits im Studium schrieb Levi Roderich Kuhr Szenen, Monologe und Kurzstücke. Seine Bearbeitung „√Hamlet“ feierte 2025 in Linz Premiere und wurde mit dem STELLA* 26 in der Kategorie „Spot On“ ausgezeichnet. Für sein erstes Stück „FRITZ – Der Komödie erster Teil“ erhielt er im Frühjahr 2026 den 3. Else-Lasker-Schüler-Stückepreis.

Das sagt die Jury

Es gibt Ereignisse und Zustände, die sich kaum begreifen lassen, Liebe und Tod zum Beispiel – und genau zwischen diesen Maximalerfahrungen siedelt Levi R. Kuhr „Über die morbide Romantik im programmierten Zelltod“ an. Levi R. Kuhr erzählt mit Leichtigkeit, Direktheit und Empathie von vier Jugendlichen, die zwischen erster Liebe, Abschied und Verlust die Orientierung und sich selbst suchen. Im Spannungsfeld der unaufhaltsamen Kräfte, die auf sie einwirken, halten sie zusammen, stoßen sich ab, tragen sich gegenseitig – und lernen, wie viel Mut es braucht, für sich selbst und füreinander einzustehen. Levi R. Kuhr gelingt ein berührendes Portrait jugendlicher Gefühlswelten, ganz auf Augenhöhe mit den Figuren, so zart wie impulsiv, so zweifelnd wie hoffnungsvoll.

Lili Roesing

mit „Rückenschwimmen“ (14+)

Zum Stück

Wann ist zu viel passiert? Wer hat gemerkt, dass etwas falsch war? Und woran soll man glauben, wenn der Ort, an dem man sicher war, genau das nicht mehr ist?

Ilayda, Melissa, Elia und Laura: vier Freundinnen seit dem Schwimmunterricht in der achten, hungrig nach Begegnungen, Musik und gedimmtem Licht, nach Chips, Gesprächen und Instagram. Melissa, das Herz ihrer Freundschaft, hat ihre vier Namen sogar als Graffiti an der Brücke verewigt, jeden in einer anderen Farbe. Zusammen haben sie die netten Typen kennengelernt. Die linken mit den Ringen. Die respektvollen, die offenen. Aber dann kommt der Abend.

Sie haben oft darüber geredet. Was Frausein heißt und was Frauen passieren kann. Haben beschlossen, aufmerksam und füreinander da zu sein. Als Melissa aber wirklich einen Übergriff erlebt, stellen sie fest, dass sie doch nicht vorbereitet sind. Alles gerät ins Schwimmen, und jeden Tag rücken sie weiter auseinander. Bis sie sich entscheiden zu kämpfen: um ihre Freundschaft und dafür, dass Melissa nicht mehr allein durchs Wasser treibt.

Sensible Inhalte:

Zur Autorin

Lili Roesing, geboren 2003 in Hamburg, studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Sie interessiert sich für Zwischenräume und junge Realitäten und befasst sich mit lyrischem und kollektivem Erzählen. Ihre Texte wurden u.a. am Theater Münster, Thalia Theater Hamburg und Pathos Theater München gezeigt. Ihr Stück „Rückenschwimmen“ wurde mit dem Sonderpreis des Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreises 2024 ausgezeichnet und für den Autor*innenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2026 nominiert. Für „Asa und Mo//Platzwunden“ erhielt sie den Dorst-Ehler Preis 2026 für Nachwuchsdramatik.

Das sagt die Jury

Lili Roesing erzählt in ihrem Jugendtheaterstück „Rückenschwimmen“ von Freundschaft – und davon, was sie (jemanden) zusammenzuhalten vermag, wenn alles auseinanderbricht. Vier Freundinnen, ein Leben im Jetzt: Sie gehen zur Schule, sie quatschen, sie gehen zu Partys, sie machen all das zusammen. Ein sexueller Übergriff ändert das Jetzt, es wird nie mehr so sein wie früher. „Rückenschwimmen“ erzählt von dem Danach, von dem Trotzdem. Wie sich trotz Versehrtsein, trotz einer Erinnerung, die sich in den Körper einschreibt, weitermachen lässt – sie machen all das zusammen. Lili Roesing gelingt es, eine eindrückliche Balance zwischen Erzählen und den Lücken im Erzählen aufbauen, zwischen Unmittelbarkeit und Respekt vor den Figuren. Ihre Sprache nährt sich aus den Figuren heraus und ist poetisch und lebendig zugleich.

Die Nominierungsjury

Die Nominierungsjury für die zweite Ausgabe des Berliner Stückepreises für junges Publikum besteht aus Antigone Akgün, Henrieke Beuthner und Lena Gorelik. Die drei Jurorinnen blicken mit unterschiedlichen Expertisen aus Regie-, Verlags- und Autor*innenperspektive auf die eingereichten Stücke.

Antigone Akgün

Foto: Alexander Paul Englert
Antigone Akgün studierte, nach einer Schauspielausbildung in Griechenland, Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Frankfurt sowie Dramaturgie an der Hessischen Theaterakademie. 2020 war sie als Autorin mit Texten für Julia Wisserts „2069 – Das Ende der Anderen“ zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen und überschrieb mit Konstantin Küspert „NATHAN“ für das Theater Regensburg. 2021 war sie mit „Das Erste Festmahl“ für das Hans-Gratzer-Stipendium nominiert. Außerdem schrieb sie Stücke für das Stadtensemble des Nationaltheaters Mannheim. 2022 und 2023 co-leitete sie den kulturjournalistischen Blog des Theatertreffens. Als Regisseurin war sie zu Radikal Jung 2025 und dem Brecht-Festival 2023 eingeladen.

Henrieke Beuthner

Foto: privat
Henrieke Beuthner, geboren 1986 in Wittmund (Ostfriesland), studierte nach einem FSJ Kultur am Theater Aachen Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig. Während des Studiums arbeitete sie als Dramaturgieassistentin u.a. am Theaterhaus Jena, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und am Schauspiel Frankfurt. Von 2011 bis 2017 war sie fest am Schauspiel Frankfurt engagiert, ab 2012 als Dramaturgin. Zusammenarbeiten hier u.a. mit den Regisseur*innen Johanna Wehner, Alexander Eisenach, Laura Linnenbaum, Daniel Foerster und Katrin Plötner. Seit 2017 ist sie Lektorin im Rowohlt Theater Verlag.

Lena Gorelik

Foto: Charlotte Troll
Lena Gorelik, in St. Petersburg geboren, kam 1992 mit ihren Eltern nach Deutschland. 2004 erschien ihr Debütroman „Meine weißen Nächte“, mit „Hochzeit in Jerusalem“ war sie 2007 für den Deutschen Buchpreis nominiert. „Die Listensammlerin“ wurde 2013 mit dem Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag ausgezeichnet. Neben Romanen schreibt sie u. a. für SZ und ZEIT, sowie Theaterstücke und Hörspiele. Ihr Stück „Als die Welt rückwärts gehen lernte“ war für den Mülheimer KinderStückePreis 2022 und den Deutschen Kindertheaterpreis 2022 nominiert. 2023 erhielt sie das Thomas Bernhard-Stipendium sowie den Marieluise Fleißer-Preis und wurde für „SagdochmalLuca“ mit dem Retzhofer Dramapreis für junges Publikum ausgezeichnet. 2024 erhielt sie den Heinrich-Mann-Preis für Essayistik. Im März 2026 erscheint ihr neuer Roman „Alle meine Mütter“.